This web page requires JavaScript to be enabled.

JavaScript is an object-oriented computer programming language commonly used to create interactive effects within web browsers.

How to enable JavaScript?

Die Beschaffungslage in China - TREEEC

01.05.2020 / Martin Troll

Die Beschaffungslage in China

Montag, 27. April bis Donnerstag, 30. April

Diese Woche war recht ruhig und eher geprägt von der Vorfreude auf einige ruhige Tage, da in China vom 1. – 5. Mai Ferien sind. Viele Leute – auch unser Team – haben die letzten 2 Monate quasi durchgearbeitet. 

Am Markt hat sich die Lage deutlich entspannt. Der Handlungsdruck bei vielen Regierungen scheint raus zu sein und einige Hersteller haben uns mit Maskenangeboten angesprochen. D.h. die Hochzeit des Verkäufermarktes ist vorbei. 

Zur Entspannung des Marktes trägt auch bei, dass nun die Welle der als FFP2 „Not-zertifizierten“ KN-95 Masken nach Deutschland kommt. D.h. dies sind in i.d.R. einfache KN95-Masken, die einen CE-Schnelltest bestanden haben und somit temporär marktfähig sind. Dies bringt sehr viel Kapazität mit sich, da das Gros der Hersteller in China diese Masken herstellt. Diese Masken sind grundsätzlich zu begrüßen, allerdings mit Vorsicht zu genießen, da die Hersteller i.d.R. sehr unerfahren (und manchmal auch echte Ganoven) sind. Beim Kauf von (deutlich teureren) FFP2 etablierter Hersteller, ist man auf der sicheren Seite.

Am 26. April wurden von der chin. Regierung erneut neue Exportbestimmungen in Kraft gesetzt. Unter anderem, müssen hier nun Exporteur und Importeur eine „Joint Agreement“ unterzeichnen, wo beide Seiten sich klar auf die Qualitätsstandards festlegen. Zudem wird der Importeur für die Einhaltung der Qualität(sstandards) im Zielland verantwortlich gemacht. Auch muss der Importeur bestätigen, dass die importierten Masken NICHT im medizinischen Bereich (sprich Krankenhäuser, usw.) eingesetzt werden. 

Wir sind sehr enttäuscht von dieser Maßnahme bzw. der Ausgestaltung dieser Erklärung. Es ist vollkommen richtig den Importeuren mehr Verantwortung zu übertragen, denn man muss die Ware/Fabrik in China prüfen, bevor man kauft. Wer blind kauft und/oder hofft, dass die Qualität „schon OK“ ist, der wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Dies liegt in der Regel nicht unbedingt and den „betrügerischen Chinesen“, sondern vielmehr an deren Unerfahrenheit und der schwierigen Rohmaterial-Versorgung. Man muss bedenken, dass viele Fabriken erste wenige Wochen Masken produzieren. Aber hier nun die gesamte Verantwortung auf den Importeur abzuwälzen geht zu weit und ist unfair. 

Dass der Importeur unterschreiben muss, dass er Masken nicht an Gesundheitseinrichtungen verkauft, grenzt schon an Realitätsverlust. Hier zwingt man den Importeur den Exporteur und Hersteller von jeglicher Haftbarkeit zu befreien. Nicht die feine Art.

Man sollte das Joint Agreement aber aus chinesischer Perspektive sehen und nicht überbewerten. Man möchte hier wohl mehr Druck auf die Importeure legen – was grundsätzlich zu begrüßen ist, denn Nachrichten zu Qualitätsmängeln bei chinesischen Masken gibt es ja genug. Auch die Unterscheidung zwischen „medizinischen“ Masken (N95 nach GB19083) und „nicht medizinischen“ (sprich zivilen) Masken (KN95 nach GB2626) ist eine chinesische Erfindung, die sich natürlich nicht auf die EU übertragen lässt, denn hier unterscheidet EN149 nicht danach, wer die Maske tragen darf. Diese Unterscheidung erklärt aber die kuriose Floskel im Joint Agreement. 

Auch sei darauf hingewiesen, dass Masken mit vollständiger CE Zertifizierung „medizinische“ Masken (Medizinprodukte nach chinesischer Definition) sind und daher beim Export kein Joint Agreement benötigen.

Wir verabschieden uns in die Feiertage und wünschen Ihnen ein schönes langes Wochenende!