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Die Beschaffungslage in China - TREEEC

05.05.2020 / Martin Troll

Die Beschaffungslage in China

Überblick über die letzten Tage und vorläufiges Resümee

Der Markt hat sich – relativ gesehen – normalisiert. FFP2, FFP3, Schutzkittel und andere Ausrüstung sind am Markt in guten Mengen verfügbar, auch wenn die Preise nach wie vor sehr hoch sind. Einige der Goldgräber, die sich sehr große Kontingente an Masken mit viel heißem Geld gesichert haben, sitzen im Moment auf 5, 6, 7 Millionen Masken, die sie noch teuer zu verkaufen versuchen. Insofern ist jetzt eine gute Phase, um Gespräche mit Herstellern zu führen, um Lager etwas zu füllen. 

Umso bemerkenswerter sind Meldungen und auch Informationen, die wir aus dem Markt bekommen, dass Deutschland wohl bei einigen „Klitschen“ Masken gekauft hat. Die Bild-Zeitung nennt hier beispielsweise die Marke „Daddy Baby“. Das ist ein chinesischer Windelhersteller, zu dem gerade europaweit eine Warnung ausgesprochen wurde. Chinesische Medien berichten, dass diese Masken eine Filterleistung von weniger als 49% haben. Wenn man bedenkt, dass selbst-genähte Stoffmasken bei um die 80% Filterleistung liegen, muss man sich schon fragen, was man tun muss, um lediglich 49% zu filtern… 

Dass der Bund solche Masken mit Steuergeldern kauft, ist ein Skandal. Ein halbwegs erfahrener Einkäufer sollte hier bereits an der Verpackung erkennen, dass dieser Hersteller 1. noch nie exportiert hat und 2. nie mit einem Experten über CE Markierungen, etc. gesprochen hat. Was und wie der TÜV da getestet hat, ist für uns nicht nachvollziehbar. 

Wir hatten in den letzten Tagen drei Fälle, wo uns Masken angeboten wurden, die wir umgehend (i.d.R. wegen falschen Zertifikaten) abgelehnt haben, wo uns als Gegenreaktion erzählt wurde, dass diese Masken – in Größenordnungen von 20 Millionen Stück – von Deutschland gekauft worden seien… Es ist für uns absolut unverständlich, wieso die Bundesrepublik Deutschland – also eines der wenigen Länder, die in China wirklich politisch Gewicht haben – von solchen Ramsch-KN95-Herstellern (mutmaßlich) kauft. China hat in den letzten Wochen und Monaten mehrfach Fabriken temporär verstaatlicht und die Kapazität dieser sehr guten Fabriken dann Staaten zur Verfügung gestellt. Frankreich beispielsweise hat sich – fast exklusiv – die beste OP-Maskenfabrik gesichert. Dort werden heute noch die bestellten 5 Milliarden OP-Masken gefertigt. 

Hier muss Deutschland aggressiver und „standesgemäß“ vorgehen. Nicht aus Arroganz, aber im Sinne der Durchsetzung der deutschen Interessen in einer Notlage, in der täglich Bürger sterben. Sich in den Niederungen des KN95-Markts zu bewegen und dort zu kaufen, weil es dort – aus guten Grund – billige Kapazitäten gibt, ist ein Armutszeugnis und peinlich für eine G7 Nation. Gute Masken waren immer verfügbar!

Drum prüfe, wer sich bindet…

Wir wiederholen uns, aber es ist absolut unabdingbar, dass insbesondere unerfahrene oder unbekannte Hersteller genauestens geprüft werden! Wer es sich traut von einem solchen Hersteller zu kaufen und die Preis- und Kapazitätsvorteile nutzen möchte, der MUSS ein qualifiziertes Qualitätsprüfungs-Team für die Zeit der Produktion der Masken beim Hersteller abstellen. In Zeiten, wo 1 Tonne Filtermaterial dreimal so viel kostet wie ein deutscher Mittelklassewagen (aktuell rund 85.000 Euro / Tonne), kann man nicht erwarten, dass Hersteller mit Material klotzen. Insbesondere wenn dem Hersteller jegliches technischen Know-how und Erfahrung fehlen. 

Dass solche Fehler im „Vaterland“ des weltweit hoch-respektierten TÜVs gemacht werden, ist nicht nur in Anbetracht der verschwendeten Steuergelder äußerst ärgerlich, es ist auch peinlich gegenüber den Chinesen, die das ja auch sehen und sich fragen, wieso der so berühmte „deutsche Ingenieur“ sich so dilettantisch anstellt und so leicht über den Tisch gezogen werden kann… 

„Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang“…